Bei „Heines“ bröckelt‘s

Das Haus II der Sekundarschule „August Bebel“ in Blankenburg ist in schlechtem Zustand. SPD-Politiker sehen den Harzkreis in der Pflicht.

Blankenburg l „Im Rahmen unseres Vor-Ort-Besuches haben wir festgestellt, dass die bauliche und räumliche Situation absolut ungeeignet erscheint, noch einen ordnungsgemäßen Schulbetrieb sicherzustellen.“ Mit diesen alarmierenden Worten hat sich der Harzer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn an Landrat Martin Skiebe (CDU) gewandt. Nachdem er auf die

Andreas Steppuhn

Probleme in der ehemaligen Heine-Sekundarschule, die seit der Fusion als Haus II der August-Bebel-Schule genutzt wird, aufmerksam gemacht wurde, hatte er sich gemeinsam mit seiner Landtagskollegin Angela Kolb-Janssen die Situation vor Ort angeschaut und dort ein recht trauriges Bild vorgefunden. Mobiliar aus DDR-Zeiten und bröckelnder Putz waren dabei nur einige „Kleinigkeiten“, wie er sagte. Lehrer hätten beim Rundgang von schwierigen Bedingungen berichtet.

So gebe es Räume, die sich an warmen Tagen extrem aufheizen. Andererseits ziehe es an kalten Tagen derart durch die Fenster, dass Schüler in dicken Jacken im Unterricht sitzen. „Sicher sind die baulichen Mängel dem Alter geschuldet, aber es ist offensichtlich, dass hier lange nichts saniert wurde“, nimmt Andreas Steppuhn die Harzer Kreisverwaltung als Träger in die Pflicht, dort endlich Abhilfe zu schaffen. „Solch ein Vorhaben muss absolute Priorität haben“, fordert der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Landtag, der sogar einen kompletten Schulneubau ins Spiel bringt.

Digitalisierung

Als einen Grund sieht er das Voranschreiten der Digitalisierung in den Klassenzimmern auf der einen und den Denkmalschutz auf der anderen Seite. „Wenn wir in solch einem Schulgebäude modernste Tafeln an die Wände bringen wollen, ist schon die Hauptfrage zu klären: Geht das überhaupt in solch denkmalgeschütztem Bau?“, fragt er. Und: „Wäre es nicht besser, beide Schulstandorte zusammenzulegen?“Diese Diskussion wolle er nach seinem Besuch anregen, so Steppuhn.

Er sieht auch die Stadtverwaltung nun in der Pflicht, sich zu positionieren. „Aktuell ist dies kein Zustand“, erklärte er. Dies sähen sowohl die Eltern, als auch die Lehrer so. Auch Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) kennt die Probleme. Deshalb hatte er ebenfalls mit dem Landrat dar-über persönlich gesprochen. In besagtem Schreiben an Martin Skiebe erklärte Steppuhn außerdem, sich auf Landesebene für ein solches Projekt stark zu machen.

Diskussion

Auf Volksstimme-Nachfrage bestätigte die Kreisverwaltung die Eindrücke der SPD-Politiker: „An dem Standort in der Helsunger Straße besteht offenkundig hoher Sanierungsbedarf. Das wurde auch auf der letzten Gesamtkonferenz der Schule, im Juni diesen Jahres, von der Lehrerschaft diskutiert“, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle.

Das Gebäude an der Helsunger Straße ist demnach ein Einzeldenkmal und erhielt in den 1970er Jahren einen Anbau, der die Umkleideräume für den Sportunterricht und Fachunterrichtsräume beherbergt. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich ein Flachbau, der nach Mitteilung des Landkreises „als provisorische Erweiterung“ seinerzeit von der Stadt Blankenburg errichtet worden sei. „Beide Gebäude müssen baulich und technisch saniert werden – die damit verbundenen Kosten lassen sich mit den vorhandenen Haushaltsmitteln nicht decken“, so die Kreisverwaltung weiter. Die „Komplexität der Mängelbeseitigung“ bedinge eine „umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Standortes“. So sei der Flachbau aufgrund seiner Bauweise und Herstellung nicht erhaltenswürdig. Ziel sei es, den Standort konzeptionell neu zu überdenken, um so einen modernen Schulstandort zu erzielen.

Kosten

Im Rahmen der Haushaltsplanung seien bereits die Kosten für eine Sanierung des Einzeldenkmals und für einen Ersatzneubau ermittelt worden. Über die genauen Beträge machte die Kreisverwaltung allerdings keine Angaben.

Während Andreas Steppuhn die Voraussetzungen für eine Sanierung als „nicht sonderlich gut“ einschätzt, sieht die Kreisverwaltung wiederum einen Ersatzneubau „nicht zwingend wirtschaftlich“: Schulorganisatorisch, so heißt es, werde der Unterrichtsbetrieb an beiden Standorten seit der Schulfusion gut umgesetzt. Der Gebäudekomplex am Thie weise eine gute Grundsubstanz auf. Und: „In gewisser Weise ist der Betrieb dieser Einzeldenkmäler auch ein Stück Verantwortung, die der Landkreis Harz trägt, um herausragende und prägende Gebäudestrukturen zu erhalten“. Dem Vernehmen nach geht die Kreisverwaltung vorerst davon aus – nicht zuletzt aufgrund ihrer angespannten Haushaltslage – die Gebäude im Zuge der weiteren Bauunterhaltung „betriebsfähig“ zu halten.

Quelle: Harzer Volksstimme, 07.08.19, Autor: Jens Müller

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